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Nachrichten

23.06.2008

Marburg, ermitteln Sie!

Brief

Ein Zahlendreher in der Postleitzahl, eine einsame CD schliddert über das Transportband im Briefzentrum und kein Hinweis auf dem Absender weit und breit. „Unanbringlich“ heißen diese Sendungen im Postjargon, bei denen weder ein konkreter Empfänger noch ein Absender angegeben worden ist. Bei solchen postalischen Härtefällen sind die Männer des Service Centers Briefermittlung gefordert. Getreu dem Motto: Marburg, ermitteln Sie! "BvDP"


Bis zu 15.000 unzustellbare Sendungen werden täglich im Service Center in Marburg eingeliefert. Mit detektivischem Spürsinn und jeder Menge Fingerspitzengefühl versuchen die Mitarbeiter alles, um auch solche Sendungen doch noch an die richtige Frau oder den richtigen Mann zu bringen. Das Postgesetz erlaubt den Marburger Briefermittlern, die Sendungen zu öffnen, um nach Hinweisen auf den Empfänger oder Absender zu suchen – natürlich alles streng unter Einhaltung des Postgeheimnisses.

„Meist finden wir die nötigen Angaben bereits im Briefkopf“, erzählt Andreas Flegel, der unanbringliche Briefe bearbeitet. Die ermittelten unanbringlichen Briefsendungen werden in einen neuen Umschlag eingelegt, mit einem Adressetikett und einem Hinweis, dass die Sendung geöffnet worden ist, versehen und an den Absender zurückgeschickt. Rund die Hälfte aller Briefe kann so doch noch zugestellt werden.


Schlüssel gehören nicht in die Briefpost


In Marburg werden jedoch nicht nur die „unanbringlichen“ Briefe bearbeitet, sondern auch Fundstücke, die aus Briefsendungen aufgrund einer unzureichenden Verpackung durch den Kunden herausgefallen sind. Ein klassisches Beispiel dafür ist der Schlüssel. Immer wieder werden sie in einen ganz normalen Briefumschlag gesteckt. Bei der maschinellen Bearbeitung scheuert der spitze Schlüsselbart jedoch oft durch das dünne Papier und fällt heraus. Um solch einen Fall kümmert sich dann Matthias Grebe. Mit einer Lupe nimmt er sich das Fundstück vor. Welche Art von Schlüssel ist es? Ein Autoschlüssel? Von welcher Marke? Hat er eine Seriennummer? Alle Details gibt er in einen Computer ein, bevor der Gegenstand im Archiv landet. Kann das Fundstück aufgrund dieser Angaben einem Kunden zugeordnet werden, bekommt er es umgehend zurück.


Zwölf Monate werden die nicht mehr zustellbaren Poststücke aufbewahrt – danach kommen sie in den Reißwolf. Ebenso gelagert werden die in solchen Briefen vorgefundenen „herrenlosen“ Gegenstände: Von A wie Armbanduhr bis Z wie Zahnbürste ist dabei nahezu wirklich alles vertreten. „Egal, was da so reinkommt – uns wundert gar nichts mehr“, erklärt dazu Gerhard Schwarzer, Abteilungsleiter des Service Centers Briefermittlung. „Aber immer wieder sind wir stolz darauf, trotz aller Schwierigkeiten mehr als die Hälfte der unanbringlichen Sendungen ihren Eigentümern zukommen lassen zu können.“


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